Mein Hund – mein Coach: Tommy!


Tommy ist ein harter Brocken. Seine Überzeugung, grundsätzlich die besseren Entscheidungen zu treffen, ist beeindruckend. Ihn vom Gegenteil zu überzeugen, ist sehr, sehr harte Arbeit. Wenn ich mir diesen Kampf ersparen will, bin ich gut beraten, selbst die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und zwar, ohne lange nachzudenken und abzuwägen. Dummerweise ist aber doch gerade das Analysieren und Nachdenken meine große Stärke … Tommy meint: „Und deine große Schwäche! Bis du meinst, eine Situation erfasst zu haben und die richtige Entscheidung treffen zu können, ist die Katze längst über alle Berge und der gefährliche Nachbar über den Gartenzaun gestiegen.“ – „Das mag sein. Aber wer erst handelt und dann denkt, kann sich und andere in einen ganz schönen Schlamassel manövrieren. Außerdem ist es völlig unnötig, einer Katze hinterherzujagen. Und unser Nachbar ist absolut harmlos und hat keinen Grund, bei uns einzubrechen!“ – „Wie willst du dir da so sicher sein, kennst du ihn wirklich? Außerdem siehst du oft nicht einmal, ob das wirklich der Nachbar ist, der sich da an unserem Zaun herumtreibt! Und von Katzen hast du ja offensichtlich gar keine Ahnung!!!“ – Tommy ist weder von der Harmlosigkeit des Nachbarn noch von der Sinnlosigkeit der Katzenjagd zu überzeugen. Also bleibt er dabei: Katzen gehören gejagt, der Nachbar verbellt. Ich könnte ihm sein Verhalten mit Gewalt abgewöhnen, aber das will ich nicht. Also unterbinde ich es dort, wo es tatsächlich zur Gefahr werden könnte: An der Straße wird der Hund angeleint, was unabhängig von Katzen immer sinnvoll ist.

Darüber hinaus hilft mir Tommy durch sein Verhalten aber auch, wahrzunehmen, dass solche Dialoge, wie jener fiktive Dialog von eben, ständig in meinem Kopf stattfinden. Tatsächlich passiert es bisweilen, dass ich so lange über eine Frage nachdenke, bis der richtige Zeitpunkt für die Entscheidung verpasst ist und sich das Problem von selbst erledigt hat. Leider nicht immer in meinem Sinn … Mein Coach Tommy sagt: Vertrau mehr auf deinen Bauch! Du denkst so viel, dass du deine Intuition gar nicht mehr wahrnimmst. Versuch es doch ab und zu mal mit weniger Denken und mehr Handeln. Du wirst dich wundern, dass du auch ohne intensives Studieren der Situation und mehrere vergleichende Analysen die richtige Entscheidung triffst. Einfach so. Weil du viel mehr bis als dein Kopf. Und der Rest übrigens meist viel besser im Entscheidungen treffen ist …

 

Unser tägliches Einzelcoaching

Wenn ich mit Tommy unterwegs bin, nutze ich die Gelegenheit des „Einzelcoachings“, um an diesen „Baustellen“ zu arbeiten, die Tommy mir spiegelt. Den Erfolg bekomme ich sofort rückgemeldet: Wenn es mir gelingt, ganz im Hier und Jetzt zu sein und mein Gedankenkarusell auszuschalten, ist auch mein Hund ganz bei mir. Und er überlässt mir ganz entspannt die Führung. Sobald ich aber nur anfange, darüber nachzudenken, wie toll es doch ist, ganz im Hier und Jetzt zu sein und ob ich nicht den nächsten GoodNewsLetter zu dem Thema schreiben sollte …, wird der Abstand zwischen uns beiden größer, Tommy fängt an sich zu kümmern und übernimmt selbst die Führung.

Tommy ist ein sehr anspruchsvoller Coach. Er verlangt mir viel ab und hält mich auf Trab. Das ist genau das Richtige für mich. In Aktion kommen, Entscheidungen treffen, mehr Handeln als Denken, dem Bauch vertrauen, einfach nur mal sein – das sind die Themen in meinem Leben. Und ich könnte mir keinen besseren Hund vorstellen, um an diesen Themen zu wachsen. Denn diesen Hund glücklich machen will, muss ich ständig Dinge tun, die mir selbst am Ende dazu verhelfen, ein glücklicher und ausgeglichener Mensch zu werden. Praktisch, oder? Ich muss mich nur darauf einlassen …

 

 


Tommys Lebenslauf

18.12.2013 Geboren in Fleckeby unter dem Namen „Red Sunset I’m so nice“ – www.red-sunset-aussie.de
Eltern: „Cedar Hills New Beginning for Red Sunset“ (Naven) und „Red Sunset To the Moon and Back“ (Chenille)

04.05.2014 Tommy zieht bei uns in Hamburg ein und verändert unser Leben, aus einem Paar wird ein kleines Rudel …

2014 – 2015 Tommy bringt diverse Hundetrainerinnen an ihre Grenzen bis wir die eine finden, die uns zeigt, wie man einem pubertierenden Hütehund Grenzen aufzeigt. Es gibt zwei Blicke in Tommys Leben, die ich nie vergessen werde: Ich versuche ihn abzurufen, erwische sogar einen guten Moment, in dem er mich tatsächlich auch wahrnimmt. Ich stehe da mit einem verführerischen Käsestück und wende all meinen Charme auf, den Hund zu mir zu locken. Tommy schaut mich lange und intensiv an, sein Blick kommt mir fast ein wenig verächtlich vor, dann dreht er sich demonstrativ langsam von mir weg und stürzt sich wieder ins Spiel mit den anderen Hunden. – Und den Augenblick, als es mir zum ersten Mal gelingt, ihm tatsächlich eine Grenze aufzuweisen – einfach nur durch meinen Willen und meine Präsenz. Seine groß aufgerissenen Augen („Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? – Oder doch …? – Oha …“), die erst verdutzt gucken und dann mit einem Mal ganz weich werden, als würde er sagen: Endlich hast du es kapiert!!! Jetzt können wir anfangen miteinander zu reden. Wie schön!

2015-2016 Tommy lernt alles, was ein Hamburger Hund können muss und überdies noch jede Menge unnützer Kunststückchen und verlorene Gegenstände zu finden.

Februar 2016 Unser Rudel bekommt eine neue Chefin aus Griechenland. Sie hat die ersten zweieinhalb Jahre ihres Hundelebens auf der Straße und in der Wildnis verbracht und bringt somit Qualitäten mit, die Tommy völlig neu sind … Nach anfänglichem Entsetzen über die Degradierung ordnet er sich schnell unter und findet, dass er interessante neue Dinge von der Griechin lernen kann. Wir finden das nicht ganz so doll.

2017 Tommy wird Mitglied der Rettungshundestaffel des ASB Hamburg. Jetzt hat er endlich einen richtigen Job! (Außer seiner freiberuflichen Tätigkeit als mein Personal Coach).